Namen werden ins Dunkle gerufen, Kerzen angezündet. Der Abend am 2. November schafft eine besondere Stimmung.
An Allerseelen stehe ich auf dem Friedhof von Burgdorf. Zusammen mit Frauen und Männern, die in letzter Zeit einen lieben Menschen verloren haben. Das Gedächtnis der Toten stellt die Anwesenden in eine grosse Erzählung hinein. Beim Rufen der Namen tauchen konkrete Gesichter auf. Beim Anzünden der Kerzen leuchten Geschichten auf. Traurige. Wunderbare. Sie sind Teil von uns, die heute leben. Und sie gehören zu jenen, die nach uns kommen.

Die Osterkerze brennt ebenfalls, abends am 2. November. An Allerseelen wende ich mich Gräbern zu, die mir bekannte Namen tragen. Und ich denke an die Toten, die ich auf anderen Friedhöfen im Emmental beerdigen musste, in Langnau, in Oberburg, in Lützelflüh.

Die Osterkerze verbindet mich mit der Osternacht. Auch dann stehe ich abends mit einer Gruppe von Personen auf dem Friedhof. Mit der flackernden Osterkerze ziehen wir zur Kirche hinauf, kehren den Gräbern den Rücken zu. Abends am 2. November stellen wir uns ihnen.

Koexistenz des Widerspruchs.

Markus Buenzli-Buob

PS: Dieser Text erschien im Berner Pfarrblatt 45/2015 in der Rubrik Pastoralraum Emmental.