Sein Name: Nev.
Sein Wohnort: London.
Seine Tätigkeit: Lehrer.


Zur Zeit gönnt er sich eine längere Pause. Vor kurzem wanderte er durchs Emmental. Er begann seine Auszeit in Prag. Er will nach Santiago de Compostella und bis Finisterre. 3109 Kilometer zu Fuss auf dem Jakobsweg. Dieser Pilgerweg existiert seit Jahrhunderten in mehreren Varianten. Eine führt durchs Emmental.

Eines schönen Abends klopfte er bei uns an. Früh am Morgen war er in Ufhusen aufgebrochen. Nun fragte er in Burgdorf Leute auf der Strasse, wo es ein Kloster gebe, um günstig zu übernachten. „No monastery?“ Die Antwort erstaunte ihn. So kam er zur katholischen Kirche. Beim Nachtessen erzählte ich ihm etwas aus der Geschichte unserer Region. Ab 1100, es ist schon lange her, stand in Trub ein Männerkloster, in Rüegsau ein Frauenkloster, in Hettiswil und Röthenbach je ein Cluniazenserpriorat und ab 1397 auf dem Thorberg ein Kartäuserkloster. 1280 wurde in Burgdorf ein Franziskanerkloster gegründet (eine Glocke davon hängt im Schlossmuseum). An der Hohengasse gab es im 14. Jahrhundert eine Niederlassung der Antoniter, die ein Spital betrieben. Die Reformation im frühen 16. Jahrhunderts setzte dem Klosterleben im Kanton Bern ein Ende.

Zum Essen tranken wir Burgdorfer Bier. Es schmeckte so gut wie Klosterbräu. Am anderen Morgen fragte Nev, ob er hier einen Tag lang ausruhen könne. Also doch etwas „klösterliche“ Atmosphäre.

Nev ist weiterhin zu Fuss unterwegs. Ende des Monats möchte er an seinem Ziel in Spanien, am Atlantik, ankommen.
Vielleicht sind Sie, liebe Leserin, lieber Leser, schon auf dem Jakobsweg unterwegs gewesen. Vielleicht nehmen Sie sich seit längerem vor, eine Etappe oder zwei unter die Füsse zu nehmen, statt anderen zuzuhören, die begeistert Geschichten rund um diesen Weg erzählen.

Falls Sie kein Typ zum Wandern oder zum Pilgern per pedes sind – in unserer Region gibt es andere Möglichkeiten, um auf moderne Art unterwegs zu sein.

Da ist die Käseroute, die im zweiten Jahr im Angebot ist und mit dem Velo genossen werden kann. Unterstützt von einer App erfahren Sie auf Ihrem Smartphone alles über den Emmentaler Käse. Die Käseroute gibt es als 35-km-Tour oder als 78-km-Parcours.

Da ist der neue Energieweg Sonne. Er verbindet auf 30 km 9 Solaranlagen zwischen Langnau und Burgdorf.

Da ist die Herzroute, die Nummer 99. Sie führt übers Emmental hinaus Richtung Thunersee und Genfersee. Richtung Zugersee.

Mein Tipp der Woche: Auf E(mmentaler)-Bikes über moderne Pilgerwege i. E.

Markus Buenzli-Buob

PS: Dieser Text erschien in der Wochenzeitung D'REGION 23/2014 am 3. Juni 2014 unter der Rubrik "Wort der Woche".